Hanfsorten Sativa, Indica, Ruderalis: Was ist der Unterschied?

Hanf, Cannabis, indischer Hanf, Sativa, Indica, Ruderalis und Nutzhanf sind alles Begriffe, die im Grunde genommen nur für eine Pflanze stehen, und zwar Cannabis (lateinischer Name für Hanf). Doch was steckt hinter diesen Begriffen und welche Hanfsorten gibt es? Diese Fragen sollen im folgenden Artikel beantwortet werden.

Es wird angenommen, dass die Gattung Cannabis innerhalb der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae) in feuchten Lebensräumen des asiatischen Kontinents beheimatet ist. Dabei führte die lange Koexistenz zwischen Menschen und Cannabis zu einer frühen Domestizierung der Pflanze. Schon sehr früh zeigte die Cannabispflanze ein bereites Spektrum an Verwendungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel die Hanffasern für Textilien oder die Erzeugung von Papier sowie als Rauschmittel und Arzneimittel.

Der schwedische Naturforscher Carl von Linné (latinisiert Carolus Linnaeus) beschrieb im „Species Plantarum“ im Jahr 1753 eine einzige Hanfsorte, und zwar Cannabis Sativa. Hingegen schlug der französische Botaniker Jean-Baptiste de Lamarck im Jahr 1785 zwei Hanfsorten vor: Cannabis Sativa, eine Hanfsorte, die vorwiegend auf dem westlichen Kontinent angebaut wird, sowie Cannabis Indica, eine wilde Art, die in Indien und den angrenzenden Ländern wächst.

Im Jahr 1924 gesellte sich eine dritte Art der Gattung Cannabis dazu und zwar von dem russischen Botaniker Dmitri Janischewski. Dieser beschrieb Cannabis Ruderalis. Doch bis heute besteht kein Konsens darüber, ob es tatsächlich drei verschiedene Cannabissorten gibt.

Inhaltsverzeichnis

1 Hanfsorten Sativa, Indica, Ruderalis: Was ist der Unterschied?

1.2 Cannabis Sativa: Herkunft, Aussehen und Wirkung
1.3 Cannabis Indica: Herkunft, Aussehen und Wirkung
1.4 Cannabis Ruderalis: Herkunft, Aussehen und Wirkung
1.5 Was sind hybride Hanfarten?
2 Indica-Sorten vs. Sativa-Sorten
3 Was ist Nutzhanf?
3.1 Wie funktioniert der Hanfanbau?
4 Cannabissorten: Wovon hängt das Wirkungsspektrum ab?
4.1 Cannabinoide und Terpene
4.2 Mangelnde Klassifizierung der Cannabissorten

Cannabis Sativa: Herkunft, Aussehen und Wirkung

Der Anbau von Cannabis Sativa erfolgt vorwiegend in äquatorialen Ländern, wie zum Beispiel Kolumbien, Jamaika, Thailand und Mexiko. In Bezug auf die Wachstumseigenschaften stellen sich folgende Merkmale heraus:

  • langer und dünner Wuchs (bei Beschneidung buschiger Wuchs)
  • Größe Indoor: ein bis drei Meter hoch / im Freien: bis zu sieben Meter
  • Blütezeit: zehn bis zwölf Wochen
  • Blätter: schmal, lang, fingerähnlich

Die Pflanzen weisen einen hohen Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC) und einen niedrigen Gehalt an Cannabidiol (CBD) auf. Deshalb wird Cannabis Sativa eine anregende und motivierende Wirkung zugeschrieben. Gleichzeitig sind folgende Effekte möglich:

  • gesteigertes Wohlbefinden
  • gesteigerter Appetit
  • erhöhte Konzentrationsfähigkeit
  • gesteigerte Kreativität
  • übertriebene Albernheit (Lachflashs)

Cannabis Indica: Herkunft, Aussehen und Wirkung

Der indische Hanf wird hauptsächlich in subtropischen Ländern (z. B. Indien, Pakistan, Afghanistan, Marokko) angebaut. Dabei zeichnet sich Cannabis Indica durch folgende Eigenschaften aus:

  • kurzer und buschiger Wuchs
  • schwere Knospen (hoher Ertrag)
  • Größe: maximal zwei Meter
  • Blütezeit: acht bis zehn Wochen
  • Blätter: dunkelgrün und dick

Im Gegensatz zu Cannabis Sativa ist in der Indica-Pflanze der THC-Gehalt niedrig und der CBD-Anteil hoch. Deshalb wirkt diese Hanfsorte mehr auf den Körper als auf den Geist. Mögliche Effekte sind:

  • beruhigend und angstlösend
  • schlaffördernd
  • vermindertes Schmerzempfinden

Cannabis Ruderalis: Herkunft, Aussehen und Wirkung

Die Hanfsorte Ruderalis ist auch unter dem Namen „Ruderal-Hanf“ bekannt und wächst in kalten Gebieten Russlands oder im asiatischen Himalaja. Dabei weist sie folgende Eigenschaften auf:

  • unverzweigt
  • robuste, faserige Stängel
  • Größe: maximal ein Meter
  • Blätter: sehr schmal

Zudem weist die Ruderalis-Pflanze noch eine weitere Besonderheit auf: Sie ist selbstblühend. Das bedeutet, dass sie nicht von den Lichtbedingungen abhängig ist, um Blüten zu treiben.

Interessant ist, dass in einer über 2400 Jahre alten mongolischen Grabstätte ein Beutel mit Hanfsamen gefunden wurde. Hierbei handelte es sich vermutlich um die Hanfsamen der Ruderalis-Sorte. Die Forscher:innen nehmen an, dass die Mongolen diese für schamanische Rituale nutzten und auch heute noch finden Ruderalis-Pflanzen in der Mongolei Anwendung bei depressiven Beschwerden.

Die Ruderalis-Sorte besitzt einen hohen CBD-Gehalt und niedrigen THC-Gehalt, weshalb sich Ruderalis-Hybriden auch für die medizinische Anwendung eignen.

Cannabis Sativa, Indica und Ruderalis: Kurzübersicht

 

Cannabis Sativa

Cannabis Indica

Cannabis Ruderalis

Herkunft:

äquatoriale Länder (z. B. Mexiko, Kolumbien, Thailand, Jamaika)

subtropische Länder (z. B. Indien, Marokko, Afghanistan)

kalte Regionen wie Russland oder Himalaja

Aussehen:

langer, dünner Wuchs

kurzer, buschiger Wuchs

unverzweigt

Größe:

im Freien: max. 7 Meter / Indoor: 1 bis 2 Meter

max. 2 Meter

max. 1 Meter

Blütezeit:

10 bis 12 Wochen

8 bis 10 Wochen

selbstblühend, unabhängig vom Lichtzyklus

Blätter:

schmal, lang, fingerähnlich

dunkelgrün, dick

sehr schmal

Cannabinoid-gehalt:

hoher THC-Gehalt, niedriger CBD-Gehalt

niedriger THC-Gehalt, hoher CBD-Gehalt

niedriger THC-Gehalt, relativ hoher CBD-Gehalt

Wirkung:

zerebrale Wirkung, anregend, motivierend

beruhigende, angstlösende Wirkung

beruhigende, angstlösende Wirkung

 

Was sind hybride Hanfarten?

Die meisten Hanfsorten auf dem illegalen Markt sind Hybride. Hierbei handelt es sich um gezüchtete Sorten, die einen bestimmten Effekt auslösen oder besondere Merkmale aufweisen sollen. Dementsprechend werden immer wieder reine Cannabisstämme wie Sativa, Indica und Ruderalis, aber auch bereits gezüchtete Hybride vermischt. Durch diese Kreuzungen erben dann die erfolgreichen Hybridsorten die besten Eigenschaften der ursprünglichen Sorten.

Generell erfolgt die Unterscheidung der Sorten wie folgt:

  • Sativa x Sativa: Kreuzung zweier unterschiedlicher Cannabis Sativa-Sorten
  • Indica x Indica: Kreuzung zweier unterschiedlicher Cannabis Indica-Sorten
  • Sativa x Indica: Kreuzung mit sativadominierter Eigenschaft
  • Indica x Sativa: Kreuzung mit indicadominierter Eigenschaft
  • Autoflowering Hybride: Kreuzungen mit Ruderalis-Genetik

Indica-Sorten vs. Sativa-Sorten

Geht es um den Freizeitkonsum von Cannabis, so ist eine bekannte Sativa-Sorte Durban Poison mit einem würzigen, dunklen Geschmack aus Lakritze, Anis, Nelken und Zitrone. Bei den Indica-Sorten ist hingegen die Sorte Northern Lights mit einem fruchtigen Geschmack besonders bekannt.

Eine hybride Züchtung (Kreuzung aus Cannabis Sativa und Indica), die als kommerzielle Sorte internationale Bekanntheit erreichte, ist White Widow mit seinen süßen, fruchtigen und würzigen Aromen.

Die wohl stärkste Hanfsorte ist Nova OG aus Kalifornien (Stand: 2017). Der Grower (Züchter) Manali West hat sich vor allem auf hochpotente Sorten spezialisiert. Bei Nova OG handelt es sich um ein Hybrid aus Stardawg Guava und einer OG/Diesel-Kreuzung. Der THC-Gehalt liegt bei über 35 Prozent.

Was ist Nutzhanf?

Nutzhanf oder auch Industriehanf umfasst sämtliche Sorten des Hanfs, deren Anbau der industriellen und kommerziellen Nutzung dient. Hierbei handelt es sich in aller Regel um die Hanfsorte Cannabis Sativa var. Sativa. (Kultur-Hanf), deren Bestandteile unter anderem für folgende Zwecke Verwendung finden:

  • Hanffasern als Rohstoff für die Textilindustrie
  • Hanfsamen für die Gewinnung von Hanföl
  • Hanfsamen für die Herstellung von Hanfmehl
  • Hanfsamen aufgrund ihrer Nährstoffe als Produkte für Sportler:innen
  • Hanfblüten und Hanfblätter, z. B. für die Gewinnung von ätherischen Ölen oder CBD-Öl

In der Schweiz darf der Hanfanbau nur mit zertifiziertem Saatgut erfolgen. Das bedeutet, dass Landwirt:innen 52 Sorten aus dem EU-Sortenkatalog zur Verfügung stehen. Als Rauschmittel oder für die medizinische Nutzung sind diese Sorten nicht geeignet. Denn der THC-Gehalt ist in dieser Nutzpflanze sehr gering. Dieser darf den Wert von einem Prozent nicht übersteigen. Im Vergleich dazu muss der THC-Gehalt in Deutschland unter 0,2 Prozent und in Österreich unter 0,3 Prozent liegen.

Wie funktioniert der Hanfanbau?

Landwirt:innen haben es mit dem Hanf für industrielle Zwecke relativ leicht. Aufgrund der vielen positiven Eigenschaften braucht die Pflanze kaum Wasser. Denn die Wurzeln wachsen bis zu drei Meter in die Tiefe. Zudem ist der Anbau einfach, weil die Pflanzen fast keinen Pflanzenschutz aufgrund des schnell erreichten Bestandesschluss benötigen.

Die Saat der Samen erfolgt in der Regel im April und die Ernte dann ab Anfang August, wenn sich viele Blüten gebildet haben. Dabei kommen spezielle Maschinen zum Einsatz wie ein Axial- oder Claasmähdrescher, die die Pflanzen hoch abschneiden.

Der Ertrag liegt zwischen zwei bis acht Tonnen im Jahr, also ungefähr doppelt so viel wie beim Flachs. Im Vergleich zur Baumwolle ist der Ertrag von Hanfpflanzen noch höher.

Cannabissorten: Wovon hängt das Wirkungsspektrum ab?

Viele Jahre galt, dass die Sativa-Pflanze eine energetisierende und Cannabis Indica eine beruhige Wirkung entfaltet. Im Jahr 2018 führte der berühmte Cannabisforscher Ethan Russo jedoch aus, dass die Eigenschaften der Pflanze nichts über ihre Wirkung aussagen. Unterstützung erhielt Russo von dem Chemiker Jeffrey Rabor, der Terpene analysiert.

Zur Erklärung: Terpene sind organische Substanzen, die unter anderem für den Geruch, das Aroma und den Geschmack verantwortlich sind.

Beide Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass nicht alle Sativa-Sorten automatisch eine energetisierende und auch nicht alle Indica-Sorten beruhigende Wirkung entfalten. So hängt das Wirkungsspektrum von vielen verschiedenen Faktoren ab, wie zum Beispiel von dem chemischen Profil der Sorte, aber auch von der Dosis, der Applikationsform (Rauchen, Verdampfen, Essen) und der persönlichen Erwartungshaltung ab.

Cannabinoide und Terpene

Russo und Rabor plädieren dafür, mehr Augenmerk auf die Cannabinoide und Terpene in Cannabis zu legen als auf die Einteilung in Sorten. Denn jede Cannabispflanze weise ein individuelles Cannabinoidprofil auf.

Das Gleiche gelte für die Terpene, deren Anzahl und Gehalt in jeder Hanfpflanze schwanke. Dabei ist längst bekannt, dass Terpene an den Effekten von Cannabis beteiligt sind. Beispielsweise kann Pinen euphorisch und Linalool entspannend wirken.

Die Zusammensetzung und die Menge an verschiedenen Cannabinoiden, Terpenen und weiteren Bestandteilen der Hanfpflanze lassen sich weder Sativa-Sorten noch Indica-Sorten zuordnen. Hier müsste vielmehr jede einzelne Pflanze für sich betrachtet bzw. analysiert werden.

Mangelnde Klassifizierung der Cannabissorten

Unterstützung erfährt diese Theorie durch eine Studie, in der Wissenschaftler:innen über 100 Cannabisproben für medizinisches Cannabis in Kanada analysierten. Es stellte sich heraus, dass die Genetik der Sativa- und Indica-Sorten keine wesentlichen Unterschiede zeigten, wohl aber im Cannabinoid- und Terpenprofil. Deshalb wird in der Forschung gefordert, bei der Klassifizierung von Cannabis, weniger auf die Genetik zu achten, sondern vor allem das Cannabinoid- und Terpenenprofil in den Vordergrund zu stellen.

FAQ

Wo wächst Ruderalis?

Die Cannabis Ruderalis ist nach den genetischen und morphologischen Daten in Zentralasien beheimatet. So wachsen die Hanfpflanzen in Gebieten wie im südlichen Russland, Kasachstan, zwischen Altai und Kaspisee sowie in Aserbaidschan. Teilweise wachsen die Hanfpflanzen hier vor allem in Vertiefungen und Schluchten oder aber auch an Straßenrändern und brach liegendem Ackerland. Dabei weist Ruderalis besondere Eigenschaften auf: Zum einen ist sie selbstblühend und zum anderen wächst sie auch unter schweren Bedingungen (Kälte).

Was bewirkt Ruderalis?

Die Ruderalis-Pflanze weist einen niedrigen THC-Gehalt und einen hohen CBD-Gehalt auf. Aus diesem Grund wird sie häufig für Kreuzungen genutzt, um medizinische Hanfsorten zu züchten. Auch bei der Züchtung von Hybridsorten für den Freizeitkonsum kommt sie zum Einsatz. Die Verwendung von reinem Ruderalis findet hingegen nur selten statt.

Was ist der Unterschied zwischen Indica, Sativa und Hybrid?

Cannabis Indica und Sativa sind zwei Hanfsorten, die verschiedene Eigenschaften aufweisen. Allgemein gilt Cannabis Sativa als THC-reich. Der CBD-Anteil ist hingegen niedrig. Wiederum weist Cannabis Indica in der Regel einen hohen CBD-Gehalt und einen niedrigen THC-Gehalt auf. Auch in Bezug auf die Herkunft, Aussehen, Blütezeit und in ihrer Wirkung unterscheiden sie sich. Als Hybride werden Hanfpflanzen bezeichnet, die aus Kreuzungen mit verschiedenen Cannabissorten stammen.

Was ist Haze Sativa oder Indica?

Haze-Cannabissorten gehören zu den sativadominierten Arten, bzw. fast reinen Sativa-Hybridsorten. Da sie jedoch einen anspruchsvollen Charakter haben, ist der Anbau nicht leicht und viele Züchter:innen scheuen sich davor. Aufgrund des hohen THC-Anteils und des Terpenenprofils können Haze-Sorten erhebend-euphorisch und sogar psychedelisch wirken. Dabei entfaltet Haze ein etwas zitroniges, aber auch würzig-holziges Aroma.